1. LSBTI*-WISSENSCHAFTSKONGRESS

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Hans-H. Kotte

Raimund Wolfert

Antwort: Die Forschung zur Geschichte der Homosexualität ist eine junge Disziplin, und insbesondere im deutschsprachigen Raum hat sie sich bisher vor allem auf die Emanzipationsbewegung von vor 1933 und die Lebenswirklichkeit homosexueller Männer und Frauen zur Zeit des Nationalsozialismus konzentriert. Lange ist sogar verneint worden, dass es in der Nachkriegszeit überhaupt eine Homosexuellenbewegung gegeben hat. Doch in den letzten Jahren sind Untersuchungen und Publikationen vorgelegt worden, die sich auch unserer jüngeren Vergangenheit widmen: der Geschichte der Homophilen, um mit der von ihnen gewählten Selbstbezeichnung zu sprechen. Die meisten dieser Studien haben einen lokalen Schwerpunkt, und nach wie vor existieren Leerstellen – zu Einzelpersonen, aber auch zu einigen der zentralen Gruppierungen, die innerhalb der Bewegung einen politischen Anspruch verfolgten. Genannt werden können der Frankfurter Verein für humanitäre Lebensgestaltung und die Hamburger Gesellschaft für Menschenrechte. Was den Blick über die deutsche Sprachgrenze angeht, ist ebenfalls noch einiges zu tun. Desiderat ist eine Initiative, in der nicht zuletzt Historiker aus den Niederlanden, Skandinavien, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland ihr Wissen zusammentragen und die Geschichte der Homophilenbewegung aufarbeiten. Schon die Existenz des International Committee for Sexual Equality (ICSE) ab 1951 macht deutlich, dass die homosexuelle Emanzipationsbewegung der Nachkriegszeit für mindestens ein Jahrzehnt sprachen- und länderübergreifend verknüpft war.