1. LSBTI*-WISSENSCHAFTSKONGRESS

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Hans-H. Kotte

Dr. Marita Keilson-Lauritz

Antwort: Das ist eine hübsche Frage. Was können uns Rückblicke überhaupt nützen? Und was kann uns ein Rückblick auf die Strategien unserer Vorläufer nützen? Die Frage nach dem Nutzen der Geschichte ist womöglich so alt wie die Geschichte selbst - und am bekanntesten wohl in der Version von Nietzsche (Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1882). Sie befinden sich also in guter Gesellschaft. Eigentlich ist es auch eine gute Frage. Es ist nämlich auch die Frage
danach, warum wir für Gegenwart und Zukunft an Vergangenheit(en) anknüpfen – an Zeiten der Verfolgung und Zeiten des emanzipativen Streites, an Zeiten der Niederlagen und der Erfolge, an die Pioniere dessen, was wir als „erreicht“ doch nicht ganz allein auf unsere eigenen Fahnen schreiben dürfen. Ja, warum eigentlich? Ob man zurückblicken möchte, muss schließlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe den Rückblick, den Sie meinen, in meiner Geschichte der eigenen Geschichte (1997) dargestellt und werde ihn in meinem Berliner Kurzreferat jedenfalls nicht wiederholen, sondern vielmehr versuchen, den
Nutzen von Literatur „für Gegenwart und Zukunft“ (wie Sie so zeitgemäß und zukunftsträchtig sagen) oder eben „für das Leben“ (Nietzsche) und - genauer - für die Emanzipation der Diversität zu erläutern.