1. LSBTI*-WISSENSCHAFTSKONGRESS

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Hans-H. Kotte

Dr. Ulrike Klöppel

Antwort: Die Diskriminierung, Pathologisierung und - durch nicht-eingewilligte kosmetische chirurgische und hormonelle Eingriffe im Kindesalter - medizinische Genitalverstümmelung, die viele Inter* erleben, hängen direkt zusammen mit Geschlechter- und Sexualitätsnormen. Diese beruhen auf der Behauptung, dass es zwei und nur zwei Geschlechter gäbe; eine Behauptung, die tief verankert ist in den Köpfen, in Institutionen wie der Schule, in den bürokratischen Apparaten (so verlangen zahlreiche Formulare, männlich oder weiblich anzukreuzen, und sei es nur, um ein Konto zu eröffnen). Diese „Zweigeschlechterordnung“ bringt es mit sich, dass viele Eltern und Ärzt_innen, ein Inter*-Kind könne nur dann ein normales Leben führen und glücklich werden, wenn sein Körper dem weiblichen oder männlichen Idealbild entspreche. Zu dieser Normalitätsvorstellung gehört leider auch nach wie vor die Annahme, dass ein geschlechtlich „uneindeutiger“ Körper die Entwicklung einer stabilen Geschlechtsidentität verunmögliche und Homosexualität verursachen könne. Wer das glaubt, unterstellt, dass Homosexualität ein Unglück für die Betroffenen - und ihre Eltern - bedeute. Bestärkt wird diese Auffassung dadurch, dass die Ehe als heterosexuelle Bastion gegenüber allen anderen Beziehungs- und Partnerschaftsformen in Deutschland rechtlich privilegiert ist. In diesem Sinne sind die Heterosexualitäts- und Zweigeschlechternormen das Raster, in das intergeschlechtliche Menschen nicht passen, weshalb sie passend gemacht werden sollen - unter Missachtung der körperlichen Integrität von Inter*-Kindern und zugleich krasser Einschränkung ihrer Entwicklungsmöglichkeiten.